Seelen in Bewegung
Sie sassen in einem kleinen Bistro
am Ende der grossen Stadt
zwischen Irgendwann und Irgendwo -
er schaute sie fragend an
und sie glitt eidechsengleich
zwischen Bierdeckeln und Kaffee
vorbei an seinem Blick und
war voll krass und total
nur von ihren Gefühlen satt.
Sie schlängelten beide unverdrossen
herum um ihre gestelzten Worte -
verschwiegen einander höflich
bei ihrem schrillen Einwegtreffen
den wahren Grund der guten Tat
und haben einander doch sehr genossen -
doch keiner übte an seinen tiefen Gefühlen
auch nur den geringsten Verrat.
Der Mann kaute an seiner Sahnetorte.
Und die Frau schaute zum Fenster hinaus -
sah da draussen einen Zeitungsboten
und eine Katze, die leckte die Pfoten
und dachte: wir sind ja wie zwei Igel
die zwischen sich einen Luftballon
balancieren, auf das er nicht platzt -
und ihre Seele fing an zu lachen
und sie dachte an dumme Sachen
und strahlte ihn nur liebevoll an.
Er fühlte sich plötzlich wie ihr Mann
und liebte sie wie nie zuvor -
gesagt hat er jedoch kein Wort
und schaute sie nur traurig an.
Im Niemandsland der Unsicherheit
zwischen Wohlgefühl und Suchen
sass er nun und kaute am weichen Kuchen
und die Uhr spukte die Minuten raus -
Fängt es nun an oder ist es aus ?
(katmarie)

Als Du noch da warst...
Als du noch da warst
da trug der Mond eine Sichel aus Gold
und das legte sich auf mein Haar
und meine Haut war wie aus Seide.
Als Du noch da warst
da zeigte der Mond sein Lächeln mir
in dunkler Nacht und ein Duft
von Lotus stieg unaufhaltsam
in meine Nase und ich konnte
in den Sternen deinen Namen lesen
und ich konnte durch Wolken fliegen
und war Engel und Hexe gewesen.
Als du noch da warst
schaute mein Blick nach vorn
auf die Sommernächte in Gras und Korn
und ich kannte Hunger nicht und Durst
Als Du noch da warst
gab es weder Raum noch Zeit -
aber die Welt war gross wie nie zuvor -
jetzt ist sie klein - weil ich Dich verlor’.
(katmarie)

Hoffnung
Schon ins Land der Pyramiden
ziehn die Störche übers Meer.
Schwalbenflug ist längst geschieden
und die Sonne scheint nicht mehr.
Seufzend in geheimer Klage
trägt der Wald das letzte Grün
und die schönen Sommertage
ach, sie sind dahin, dahin.
Nebel hat den Wald veschlungen
der dein stillstes Glück gesehn,
ganz in Duft und Dämmerungen
will die schöne Welt vergehn.
Nur noch einmal bricht die Sonne
unaufhaltsam durch den Duft
und ein Strahl der alten Wonne
rieselt über Tal und Kluft.
Und es leuchten Wald und Heide,
das man sicher glauben mag -
hinter allem Winterleide
lieg' ein ferner Frühlingstag.
(Theodor Storm, 1817 - 1888)

Fotos: privat